• Hol dir eine freie Gebliebte ins Haus

    Hol dir eine freie Geliebteins Haus.Du hast noch kein Haus.Hol sie dir als umlachten Durchgangdurch dich.Mach sie zu deinem Schmerzgewitter,aus dem du in Tropfenzurückfällst zu dir.Sitz dich aus im Eisregen!Überlass dich den Blitzen!Lass dich berinden vonverdörrenden Stunden,in denen nichts geschieht,weil du wartest!Am Ende fällst du ab von dirund deine neue Hautspiegelt Sternenlicht.Am Ende liegst du…

  • Ekstase

    Wo das Blut in deinen Ohren vergebensum deine Helle pocht,warte ich auf meine Worte.Wo dein zurückgelassenes Haarzur Seite fällt in der Nacht,während du im Obermeer die Gegangenen wiederfindest,warte ich auf meine Worte.Wo deine in die Nacht geschobene Wundeheilt an deiner Hand,warte ich auf meine Worte.Wo Häute dein Herz umfesten,warte ich auf meine Worte.Wo du nichts…

  • Gott will mich

    Gott will mich.Als Trümmer, der in die Vergangenheit flieht.Als Fuß um Fuß, bereit zum Tanz in den Straßen.Als Zahn, der den seidenen Wal der Liebe zermalmt.Als sechstes Leben im Gestirngitter,Finger im Meer,Gitterdurchsturz in die Liebe.Als Gestirnerstürmer,Freiblitz,verdampfender Buddha.Gott will mich.Gott will mein Blut,in das er sich einstreichtmit auftanzenden Zukunftslichtern.Gott will mich.Als lächelndes Kreuzmit Blütenauf der Zeit.

  • Heilung

    Heilung: wenn die so lange verstoßeneStillezum Stall wird.Schau: eine Krippe.Leg deinen kleinen Bruder,deine kleine Schwester hinein.Breite die wärmende Decke deiner Tränen ausund deine gewagte stumme Liebe.Sieh: da ist ein Engel an deiner Seite.Vertraue ihm.Er vertraut dir.

  • Es gibt so vieles zu lieben

    Es gibt so vieles zu lieben. Die weiße Wunde über dem Knöchel meines zarten Fingers. Das Haus, in dem ich die Glücklichen im Vorbeigehen wohnen sehe. Die nackten Berge, welche keinen Schnee tragen dürfen. Und wie schwach ich noch bin im Lieben, obwohl wir bereits so viele Male schmerzhaft durch Tränen hindurch ineinander geblickt haben,…

  • Dein Bett aus Meer – In Erinnerung an Walter Benjamin

    Ganz gleich, wie tief die Treppen hinab führen – und jeder muss sie nehmen in der Zeit -, es wartet ein Bett aus Meer. Am Ende springen wir – und ob uns die Barke fort trägt oder das Meer uns verschlingt, wissen wir nicht. Die einen entfallen uns in die verschlossene Tiefe. Die anderen müssen…

  • Schenke dir Reisen

    Schenke dir Reisen, die an einem lichtzerfallenden Sonntag Abend über dem Westen nach dir rufen.Reisen, in denen du nachts nach vielen Stunden an einem unbekannten Fluss fährst in tiefster Dunkelheit.Sieh die schwarze Ebene ohne Bäume, die sich dir öffnet. Die Anzeige der Temperatur zeigt mehr als eine Zahl.Beuge dich in den Fahrtwind hinaus, der bereits…

  • Strauch im Strom

    Bruder, ich erinnere mich an einen Traum letzte Nacht. Es war ein seltsamer Traum. Wie ein Blick in die Augen einer Frau, welcher die Scham für wenige Augenblicke überspringt. Wenige Augenblicke. Ich schaue aus einem Fenster, vielleicht aus einem fahrenden Auto. Da ist ein hoher Strauch vor dem blauen, hellen Himmel. Ich bemühe mich, ihn…

  • Das Heilige

    Sieh, Erinnerer, wie die Spuren deiner Zukunft im Osten beginnen, wenn du dort die Sonne aufgehen lässt am Abend. Lass dich von Träumen unter den verblassenden Horizont führen, sie schmecken nach Frühe. Geh die Gänge der Zeit hinab, in denen dir das Licht deiner verlorenen Gegenwarten entgegenstrahlt. Was war und was du niemals verlassen hast,…