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Wer liebt
Wer liebt, strömt durch den Stahl jahrtausendelang aufgetürmter Angst.Wer liebt, legt sein Fell um eine frostgebeugte Blume.Wer liebt, den staunen Rosen an.Wer liebt, dem schenken die Gestorbenen aus dem Licht Gedanken.Wer liebt, den nehmen die Sterne auf in ihre Partitur.Wer liebt, ist schön wie eine Mutter, die zum Kind in den Abgrund springt.Wer liebt, trinkt…
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Der Frühling im Oktober
Der Frühling erblickt sich manchmal im Spiegel des Oktobers. Wenn der Löwenzahn wieder wächst an der Mauer, der gelbe Hahnenfuß auf der Wiese Versammlung hält, und wenn die sterbenden Blätter in der Mittagssonneihre erdverliebten Farben zu mir verströmen. Wenn mit wärmender Luft Salz, Kräuter und lateinische Silben aus dem Süden in meinen Sinnen an der…
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Die Entdeckung Gottes
Wer nicht sein Leben ganz in die eigenen Hände nimmt ist verloren. Wer sich dabei nicht in Gottes Hände legt, ist es auch. Der Mystiker beginnt zu ahnen, dass Gott ihn begleitet. Dass Gott vielleicht sogar in seiner inneren Haut strömt, als wäre Gott ein innerer Teil von ihm.
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Wenn die Nacht alles verschlingt
Wenn die Nacht alles verschlingt und die Gegenstände um mich in den schwarzen Falten der Tiefe verschwinden, dann sitze ich manchmal auf meinem Bett und schreibe. Manchmal bleibt einem nichts mehr übrig, als zu schreiben. Dort, wo das Leben eigentlich zuende ist, zeigen sich Worte – wie Ströme aus Sonnenlicht, welche sich durch Wolken brechen,…
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Dem Meer entkommen
Das Meer,manchmal bereits dort,wo es den Sand bestürmt,zu tief.Zu dunkel.Wenig weiterso sehr Horizont, dass es keinen anderen Horizont duldet neben sich.Zu reißend, fordernd seine Wellen.Wellenmünder vor mir,ihr Schaum wie Zähne,die nach mir schnappen. Sie vertreiben mich an den Sand,wo ich sicher binim Murmeln der unzählbarenmeerwärtsrollenden Kieselsteine,bunte Quarze, über welche bereits Augenblicke späterdie wiederkehrende gefräßige Gischt…
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Weltennomade
Verloren in der SicherheitDer verwalteten ErdeErblindet im Dunkeldeines Kämpfenden BauchesAhnungsfern gewordenIn engen Bändern menschlicher LiebeRichtest du Mensch deinen Kopfnicht hinauf zu den Sternen.Nicht zur großen Straße hinaufDie am Ende menschlicher DingeBeginnt. Sieh, dort, heute Abend bereits,Über dem schwarzen HügelKommt aus unendlichen TiefenLicht zu dirSteht still für dich.Hält sich an bei dirUnd versammelt sich vor dirBreitet…
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Geh über die Tage
Geh über die TageWie über geflochtene BrückenDeren Stroh unter deinen Sohlen zerfälltHinab fällt in zähe FlüsseWo geblendete Menschen in BarkenÖlige Kreise ziehenUnd sich erwürgenWenn ihre Köpfe im DunkelSich verdrehen auf der SucheNach dem Opium-Spalt.Setz deine Zehen voranUnd blick nicht hinabIn ihre bewegten Zellentäglicher Verzehr.Spür die hohen WindeWie sie verzweifeltGreifen nach dem ReisendenUnd dir von Tagen…
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Auf Gras
Auf Gras,zu Stroh gealtertunter seinem sommerlangenBlick nach Süden,saß ich unter einer alten Weidbucheund wartete auf Worte.Ich sah immer nur ferne Bergeim Süden, wo das große Gebirgesich am Ende dochund zu meinem Frühbildglückhinab wendet zum Meer.Sah immer nur Wolken,die mich anblickten,zu ihrer Reise einludenund heiter aufgaben.