• Staunen war niemals ungefährlich

    Menschen warten darauf, dass sie jemand überzeugt, ihnen eine vollkommene Erklärung liefert, anstatt sich selbst eine überzeugende Erklärung zu erarbeiten. Wenn sie aber zunächst wenigstens – wieder staunen könnten. Staunen… war niemals ungefährlich… und doch ein Stoß gegen die innere Tür, auf dass Licht einfalle…

  • Wenn die Nacht alles verschlingt

    Wenn die Nacht alles verschlingt und die Gegenstände um mich in den schwarzen Falten der Tiefe verschwinden, dann sitze ich manchmal auf meinem Bett und schreibe. Manchmal bleibt einem nichts mehr übrig, als zu schreiben. Dort, wo das Leben eigentlich zuende ist, zeigen sich Worte – wie Ströme aus Sonnenlicht, welche sich durch Wolken brechen,…

  • Dem Meer entkommen

    Das Meer,manchmal bereits dort,wo es den Sand bestürmt,zu tief.Zu dunkel.Wenig weiterso sehr Horizont, dass es keinen anderen Horizont duldet neben sich.Zu reißend, fordernd seine Wellen.Wellenmünder vor mir,ihr Schaum wie Zähne,die nach mir schnappen. Sie vertreiben mich an den Sand,wo ich sicher binim Murmeln der unzählbarenmeerwärtsrollenden Kieselsteine,bunte Quarze, über welche bereits Augenblicke späterdie wiederkehrende gefräßige Gischt…

  • Weltennomade

    Verloren in der SicherheitDer verwalteten ErdeErblindet im Dunkeldeines Kämpfenden BauchesAhnungsfern gewordenIn engen Bändern menschlicher LiebeRichtest du Mensch deinen Kopfnicht hinauf zu den Sternen.Nicht zur großen Straße hinaufDie am Ende menschlicher DingeBeginnt. Sieh, dort, heute Abend bereits,Über dem schwarzen HügelKommt aus unendlichen TiefenLicht zu dirSteht still für dich.Hält sich an bei dirUnd versammelt sich vor dirBreitet…

  • Was geschähe, wenn ich noch radikaler Verantwortung übernähme?

    Was geschähe, wenn ich noch radikaler Verantwortung übernehmen würde –überdrüssig meines in die Welt überhängenden Selbst, das sichfortwährend in den Abgrund verrinnender Tage verströmt,wo fremde Mächte mich auf ihren Festen zu ihrem Gefallen tanzen lassen? Radikal Verantwortung übernehmen!Für das WetterFür meine leidvolle Kindheit, in der ich doch noch gar nicht verantwortlich sein konnte (sie schwelt…

  • Selbstversammlung

    Zu schreiben kann ein Weg sein, sich mit sich selbst zu versammeln. Dabei kannst du dich wieder spüren und dir zuhören. Du kannst beobachten, was dir aus deinem Seelenraum entgegen kommt. Der entstehende Text formt Wort um Wort ein Ganzes als eine zeitlich gebundene Selbsterfahrung. Und da das Ganze das Heile ist, kann Schreiben Heilung…

  • Geh über die Tage

    Geh über die TageWie über geflochtene BrückenDeren Stroh unter deinen Sohlen zerfälltHinab fällt in zähe FlüsseWo geblendete Menschen in BarkenÖlige Kreise ziehenUnd sich erwürgenWenn ihre Köpfe im DunkelSich verdrehen auf der SucheNach dem Opium-Spalt.Setz deine Zehen voranUnd blick nicht hinabIn ihre bewegten Zellentäglicher Verzehr.Spür die hohen WindeWie sie verzweifeltGreifen nach dem ReisendenUnd dir von Tagen…

  • Du und der Andere

    Du und der Andere Einen Menschen verändern zu wollenDas ist soAls ob du versuchtestDen Rhein zu hindernNach Norden zu fließen.Ein MenschFließt sichWie er ist.Erst einmal.Er schwimmt in seinemEigenen MeerMit seiner StrömungDem zuWas ihm entspricht.Was er aus sich heraus als Sinnhorizont entdeckt.Wie der Lachs schwimmtEr seinem inneren Geburtsort zuImmer wiederUm zu werdenDer er bereits ist.Du glaubstDass…

  • In den Tag geschrieben

    Stell dir vor, dir würde jetzt, in diesem Moment, bewusst, dass Zukunft und Vergangenheit nur Illusionen sind, und dass du jetzt, hier und jetzt, lebst und nichts anderes hast als diesen Augenblick und diesen heutigen Tag. Stell dir vor, du würdest diesen Tag so bewusst leben, wie du ihn nur bewusst leben kannst. Stell dir…