• Aus dem verlorenen Notizbuch, das mir am Kraterrand fortgeweht wurde im letzten Spätwinter, an M.s Geburtstag:

    „Ich bin ein Ursprung.Und ein Aus-Geworfener, Freigelassener, Entsprungener, Entwurzelter, der doch über Jahresfelsen zu Gott hinaufsteigt. Bis die Jahre abfallen – Glück des Hinüberfallens! Für den Sport, für Aufstiege überhaupt, gilt doch:Das Ziel sei zu kennen, innerlich vorauszuerleben. Klar und hoch. Der Weg und die Methode seien zu kennen – oder kennenzulernen. Das mag, muss…

  • Fragment aus den scheiternden Reflexionen über das lyrische Erschaffen

    Dichten geschieht, wenn ich der Welt nachkomme, wie sie sich in mir hinterlassen hat. Ich sehe noch einmal. Aber ich sehe notgedrungen, denn das Gesehene und Erlebte ist bedürftig nach dem Wort und bedürftig bin auch ich, wenn die in mir hinterlassene Welt zum inneren Sehen drängt und sich wieder zu einem Bild zusammensetzen will.…

  • Zum Meer in der Nacht

    Wer zum Meer geht in der Nacht, habe Angst. Die Angst ist eine Gewalt, die dich aufbricht für den Einbruch des Wassers in deine gehegte Gedankengrube. Und das schwarze Wasser liebt deine Angst, denn deine Angst lockt dein Staunen hervor und hinter deinem Staunen lächelt das Glück der Freiheit. Auch wenn du es noch nicht…

  • Hol dir eine freie Gebliebte ins Haus

    Hol dir eine freie Geliebteins Haus.Du hast noch kein Haus.Hol sie dir als umlachten Durchgangdurch dich.Mach sie zu deinem Schmerzgewitter,aus dem du in Tropfenzurückfällst zu dir.Sitz dich aus im Eisregen!Überlass dich den Blitzen!Lass dich berinden vonverdörrenden Stunden,in denen nichts geschieht,weil du wartest!Am Ende fällst du ab von dirund deine neue Hautspiegelt Sternenlicht.Am Ende liegst du…

  • Ekstase

    Wo das Blut in deinen Ohren vergebensum deine Helle pocht,warte ich auf meine Worte.Wo dein zurückgelassenes Haarzur Seite fällt in der Nacht,während du im Obermeer die Gegangenen wiederfindest,warte ich auf meine Worte.Wo deine in die Nacht geschobene Wundeheilt an deiner Hand,warte ich auf meine Worte.Wo Häute dein Herz umfesten,warte ich auf meine Worte.Wo du nichts…

  • Gott will mich

    Gott will mich.Als Trümmer, der in die Vergangenheit flieht.Als Fuß um Fuß, bereit zum Tanz in den Straßen.Als Zahn, der den seidenen Wal der Liebe zermalmt.Als sechstes Leben im Gestirngitter,Finger im Meer,Gitterdurchsturz in die Liebe.Als Gestirnerstürmer,Freiblitz,verdampfender Buddha.Gott will mich.Gott will mein Blut,in das er sich einstreichtmit auftanzenden Zukunftslichtern.Gott will mich.Als lächelndes Kreuzmit Blütenauf der Zeit.

  • Heilung

    Heilung: wenn die so lange verstoßeneStillezum Stall wird.Schau: eine Krippe.Leg deinen kleinen Bruder,deine kleine Schwester hinein.Breite die wärmende Decke deiner Tränen ausund deine gewagte stumme Liebe.Sieh: da ist ein Engel an deiner Seite.Vertraue ihm.Er vertraut dir.

  • Es gibt so vieles zu lieben

    Es gibt so vieles zu lieben. Die weiße Wunde über dem Knöchel meines zarten Fingers. Das Haus, in dem ich die Glücklichen im Vorbeigehen wohnen sehe. Die nackten Berge, welche keinen Schnee tragen dürfen. Und wie schwach ich noch bin im Lieben, obwohl wir bereits so viele Male schmerzhaft durch Tränen hindurch ineinander geblickt haben,…

  • Dein Bett aus Meer – In Erinnerung an Walter Benjamin

    Ganz gleich, wie tief die Treppen hinab führen – und jeder muss sie nehmen in der Zeit -, es wartet ein Bett aus Meer. Am Ende springen wir – und ob uns die Barke fort trägt oder das Meer uns verschlingt, wissen wir nicht. Die einen entfallen uns in die verschlossene Tiefe. Die anderen müssen…